EuGH-Urteil eröffnet Wege zur Rückforderung illegaler Glücksspielverluste
Amir Coleman · Jun 20, 2026

EuGH-Urteil eröffnet Wege zur Rückforderung illegaler Glücksspielverluste

Der Gerichtshof der Europäischen Union hat entschieden dass Online-Glücksspieler in Mitgliedstaaten wie Deutschland Schadensersatz oder Rückerstattungen für Verluste geltend machen können die während Phasen entstanden sind in denen das Angebot illegal war und zwar auch dann wenn nationale Regelungen später angepasst wurden, während das Urteil gleichzeitig die Möglichkeit einzelstaatlicher Beschränkungen bestätigt und zivilrechtliche Restitutionsansprüche nach EU-Recht offen hält.
Die Entscheidung betrifft konkret Fälle in denen Nutzer auf Plattformen gespielt haben bevor der Glücksspielstaatsvertrag 2021 in Kraft trat und sie nun Beträge zurückfordern möchten die bei nicht lizenzierten Anbietern verloren gingen.
Hintergründe des Verfahrens
Das Verfahren erreichte den EuGH weil nationale Gerichte in Deutschland Fragen zur Vereinbarkeit von Rückforderungsansprüchen mit europäischen Vorgaben hatten und die Richter in Luxemburg feststellten dass Mitgliedstaaten das Recht behalten Glücksspielmärkte individuell zu regulieren ohne dass dadurch bestehende zivilrechtliche Möglichkeiten zur Geltendmachung von Verlusten ausgeschlossen werden, wobei das Urteil auf einer Auslegung der Dienstleistungsfreiheit und des Verbraucherschutzes basiert.
Beobachter notierten dass die Richter betonten wie nationale Verbote weiterhin Bestand haben können und Spieler gleichzeitig in der Lage sind gegen Betreiber vorzugehen die ohne Genehmigung tätig waren.
Rechtliche Konsequenzen für deutsche Spieler
Deutsche Nutzer die vor der Liberalisierung Verluste erlitten haben können nun zivilrechtliche Schritte einleiten und zwar auch Jahre später da das Urteil keine zeitliche Begrenzung für solche Ansprüche festlegt, während Gerichte in den Bundesländern die konkrete Umsetzung prüfen müssen und Betreiber mit Forderungen rechnen die sich auf frühere Aktivitäten beziehen.
Statistiken aus dem regulierten Markt zeigen dass der Übergang zu lizenzierten Angeboten im Jahr 2026 noch im Gange ist und das Urteil daher zusätzliche Klagewellen auslösen könnte, die sich auf die Zeit vor der vollständigen Marktbereinigung konzentrieren.

Auswirkungen auf Betreiber und Aufsichtsbehörden
Betreiber die früher ohne deutsche Lizenz agierten sehen sich nun mit der Möglichkeit konfrontiert dass ehemalige Kunden Rückzahlungen verlangen und die Aufsichtsbehörden wie die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder müssen diese Entwicklungen bei der Überwachung des Marktes berücksichtigen, während das Urteil gleichzeitig die Position der Mitgliedstaaten stärkt ihre eigenen Restriktionen aufrechtzuerhalten ohne Konflikte mit EU-Recht zu erzeugen.
Ein EuGH-Urteil in vergleichbarem Kontext hatte bereits ähnliche Grundsätze festgelegt und die aktuelle Entscheidung baut darauf auf indem sie die Durchsetzbarkeit von Restitutionsansprüchen explizit bekräftigt.
Praktische Umsetzung und nächste Schritte
Spieler die Ansprüche geltend machen wollen müssen in der Regel nachweisen dass das Angebot zum Zeitpunkt ihrer Teilnahme illegal war und Verluste tatsächlich entstanden sind, während Anwälte und Verbraucherschutzorganisationen bereits Beratungsangebote ausbauen um Betroffene bei der Vorbereitung von Verfahren zu unterstützen, und Gerichte in den nächsten Monaten erste Musterurteile fällen könnten die als Orientierung dienen.
Die Entwicklungen fallen in eine Phase in der die Evaluierung des Glücksspielstaatsvertrags bis Ende 2026 fortgesetzt wird und in der auch Fragen des Spielerschutzes sowie möglicher Schwarzmarktaktivitäten erneut geprüft werden.
Zusammenfassung der Entscheidung
Zusammengefasst bestätigt das Urteil die Balance zwischen nationaler Regulierungshoheit und individuellen Rechten von Spielern indem es Rückforderungen für illegale Aktivitäten zulässt und gleichzeitig die Legitimität von Beschränkungen unterstreicht, sodass sowohl Behörden als auch Marktteilnehmer ihre Strategien an die neue Rechtslage anpassen müssen.